Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

In diesem Forum soll es um die Reparatur unserer XT gehen
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Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » So Okt 28, 2018 21:47

Hallo zusammen,

bin neu hier im Forum, allerdings schon viele Jahre SR/XT Fahrer und Schrauber. Habe nach langer Zeit des Fremdgehens mit BWM und Ducati im Sommer die alte 79'ger XT vom Kumpel aus dem Keller geholt und umfassend restauriert. Nach glücklichen 3000km ist jetzt leider schon wieder Schluss. Bei 100 auf der Bahn fing der Motor plötzlich an zu hämmern. Eigentlich ohne grossen Leistungsverlust. So blieb das dann auch, bei quasi jeder Drehzahl. Wie wenn viel zu grosses Ventilspiel, war aber leider nicht. Hatte ich mehrfach noch eingestellt, wie auch sauber 1000km eingefahren und bei 500km nochmal nen Ölwechsel.

Also Motor wieder ausgebaut und Kopf runter. Nockenwelle und Kipphebel sehen zwar nicht supergut aus (leichte Schleifspuren), aber kommen als Geräuschquelle nicht in Frage. Aber: Es gab es offensichtlich Kontakt zwischen Auslassventil und Kolben!? Siehe Bilder.

Also meine Frage: Was könnte die Ursache hierzu sein, und was könnte dadurch noch kaputt gegangen sein? Meine aktuelle Theorie:
- Entweder war die Steuerkette falsch eingebaut, also falsche Steuerzeiten. Der Motor lief allerdings die 3000km bombig gut, hatte mehr Leistung als alle meine Vorgänger SRs. Hatte das auf die elektr. Zündung geschoben (Powerdynamo). Oder aber
- Ich habe dem Motor zuviel zugemutet und überdreht (fahre etwas kürzer Übersetzt und ohne Drehzahlmesser)
- Durch den Kontakt hat das Pleuel einen Schaden genommen und ist für die starken Klopfgeräusche verantwortlich (wie bestätigt man dies am einfachsten?)

Wäre dankbar für fundierte Ratschläge wie ich jetzt weitermachen soll.

Beste Grüsse,
Ben
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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon TT Georg » So Okt 28, 2018 22:05

Hoppla!

Wo wurde denn der Motor überholt?

LG

Georg
Wenn mir als 18jähriger im Jahr 1988 gesagt hätte, das ich dieses 40 Jahre alte Moped fahren soll um cool zu sein, dann haetten ich wohl ganz brav den Mittelfinger gehoben und auf den hobeln aus 1948 gezeigt. Vergiss es.

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » So Okt 28, 2018 22:16

Hi Georg,

habe mir den gemachten Motor von einem Typen aus dem Internet als Austausch für meinen alten geben lassen. Hatte sich alles gut angehört und er hat auch alle Arbeiten mit Bildern dokumentiert. Der macht das offenbar als Hobby, also alle paar Monate einen. Jetzt habe ich wohl meine Quittung. Ist ja doch immer dasselbe: Besser selber machen. Grmpf. Haste denn nen Tipp was passiert sein könnte?

Gruss, Ben

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TT Georg
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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon TT Georg » So Okt 28, 2018 22:21

schau dir ganz genau die Ölpumpe an und ob sie spaltfrei verbaut wurde.... Thema, schrauben zu lang!

Gruss

Alles wird wieder.
Wenn mir als 18jähriger im Jahr 1988 gesagt hätte, das ich dieses 40 Jahre alte Moped fahren soll um cool zu sein, dann haetten ich wohl ganz brav den Mittelfinger gehoben und auf den hobeln aus 1948 gezeigt. Vergiss es.

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon Merry » So Okt 28, 2018 22:22

Ich würde mal den Zylinder ziehen und am Pleuelfuß wackeln. Axialspiel darf ein bißchen sein, Radialspiel null.
Dann kannst auch sehen, ob am Kolbenhemd Schleifspuren sind von ner sich auflösenden Lagernadel.
Ölwannendeckel abgenommen, Sieb gesichtet? Ölfilter unter gutem Licht begutachtet?

Bei mir war die Symptomatik ähnlich - Fazit: Pleuellager entkorkt, diverse Kollateralschäden.

Der Hobbyist, der Deinen Motor überholt hat: Wo wohnt der denn?
Gruß, Merry

Kann Spuren von Senf enthalten

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » So Okt 28, 2018 22:36

Hey, Danke fürs flotte Feedback!

Also kann denn fehlender Öldruck zu so nem Schaden führen? Hatte eigentlich den Eindruck der Druck sei Ok, zumindest wie das Öl so aus der Ölfilterschraube rausschoss. Würde selbst allerdings auch immer die vergrößerte Pumpe von Kedo einbauen, wenn schon der Motor aufgemacht wird. Ich werde das sicherlich mal abchecken, würde aber das als Ursache für meinen Schaden eigentlich ausschliessen. Kann es denn sein, dass die Kette mit falschen Steuerzeiten eingebaut wurde, läuft so ein Motor überhaupt?

Das Pleuellager also mal anschauen, und auf Spiel prüfen. Menno, wenn das Schrott ist wirds aber aufwändig und teuer. Genau das wollte ich ja eigentlich umgehen, indem ich mir den gemachten Motor geholt habe...


Der Typ heisst Pitt und kommt aus der Nähe von Münster.

Gruss, Ben

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon Hiha » Mo Okt 29, 2018 7:34

Hast Du beim frisch gemachten Motor die Steuerkettenspannung mal überprüft und nachgestellt? Weißt Du was über die verbaute Nockenwelle? Mach doch mal ein Foto vom Ventiltrieb, also Kipphebel, Ventilfedern, Nockenwelle.
Es IST möglich, dass die Steuerkette überspringt, wenn eine neue verbaut war, die längen sich am Anfang oft ziemlich stark.
Dass von so einem minimalen Ventilkontakt das Pleuellager stirbt ist zwar ausgeschlossen, aber es ist relativ normal, dass ein bereits zweifelhaftes Lager sehr schnell stirbt, wenn ein alter Motor überholt wurde, und dadurch plötzlich Leistung hat. Der Simmerring im rechten Motordeckel, der der Kurbelwelle Öl zuführt, muss ebenso einwandfrei sein, wie der rechte Kurbelwellenstumpf, gegen den der Simmerring dichten soll. Das würd ich gut überprüfen.
Unwahrscheinlich ist, dass Du ihn überdreht hast. Zumindest der originale Ventiltrieb ist dadurch nur sehr schwer zu killen. Mit 15/42er Übersetzung sind 150km/h drin. Der Kolben zeigt aber ziemlich deutliche Anzeichen von Klingeln/Klopfen, möglicherweise war der Vergaser etwas mager eingestellt. Ein dickerer leerer Auspuff, oder Luftfiltertuning kann das auch verursachen. Das ist aber noch kein Grund für verstellte Steuerzeiten. Tippe daher stark auf meine erste Vermutung.

Weitermachen: Zerlegen, Befunden, ggf. Kurbelwellenüberholung. Ölpumpencheck incl. Tausch ihrer Simmerringe ist IMHO obligatorisch, ebenso der Kurbelwellen-Öleintrittsimmerring.

Viel Glück,
Hans

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » Mo Okt 29, 2018 8:50

Hi Hans, und Danke für deine Einschätzung. Du ja, das hast du gut gesehen, das Magerklingeln war brutal. Hatte die Schwimmernadel bereits so hoch wie möglich gehängt, und fahre mittlerweile mit einer 250er Hauptdüse. Schwimmer ist auch so justiert, dass er eher zuviel als zuwenig Spritt hat. Er klopft damit unter schwerer Last im mittleren Drehzahlbereich immer noch, aber viel besser. Ansaugbereich sowie Auspuff ist original, allerdings mit offenem Ansaugstutzen (nicht gedrosselt).

Ist denn Deine Einschätzung, dass die Steuerkette gesprungen ist? Läuft denn der Motor noch ordentlich, wenn die Steuerkette um nen Zahn verrutscht? Also die Spannung war jeweils gut, hatte das immer angeschaut. Die Kette ist wohl neu, der Bolzen vom Kettenspanner hat sauber gefluchtet mit der Schraube - das hatte ich bei meinen alten SRs nie, da musste der immer tiefer reingeschraubt werden, obwohl ich die Ketten jeweils vermessen hatte.

Ich hatte ja auch auf den Ventiltrieb getippt, weil der Motor schon von Anfang an sehr laute Ventilgeräusche gemacht hat. Ich hatte die Ventile mehrfach neu eingestellt, das Spiel wurde stets wieder etwas grösser (nur wenig). Nach kürzerer Warmlaufzeit wurden die Ventilgeräusche dann aber immer wieder deutlich stärker. Kann nicht wirklich sagen, ob die Ventilgeräusche zu laut waren, ist ja immer gut zu hören bei dem Motor, und in Massen ja auch gut so. Der eine Kipphebel hat deutlich spürbares Spiel entlang der Achse, also seitlich, aber läuft sauber auf der Achse.

Habe Bilder von der Nockenwelle und Kipphebel gemacht, schicke gerne noch welche von den Ventilfedern hinterher die Tage. Meinste die Federn könnten falschrum eingebaut sein?

Muss ich für die Simmerringe das Kurbelgehäuse trennen? Habe ich noch nie gemacht.

Gruss, Ben
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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon caferacer » Mo Okt 29, 2018 9:39

Moing,
Beileid....

Kipphebel und Nockenwelle haben wohl unter Ölmangel gelitten. Überprüf doch mal die untere Schraube vom Olfiltergehäuse. Hier gibt es verschiedene Längen innerhalb der Baujahre. Gut möglich, dass die Verbaute das Ablaufloch nicht richtig verschließt. Führt dann dazu, dass immer zu viel Öl unten im Motor ist und zu wenig im Kopf....

Der Zentrierstift fürs Steuerkettenzahnrad war bei der Demontage noch vorhanden, und die Schraube welche das Zahnrad auf der Nocke festklemmt eingeklebt?
Grusse
Thomas
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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon Hiha » Mo Okt 29, 2018 9:47

Die Feder ist jedenfalls schon mal falschrum, die Kippehebel sind beide hinüber weil die Chromschicht durch ist, und die Nockenwelle kannst Du mit neuen Kipphebeln ohne Nacharbeit auch nicht mehr verwenden. Zumindest eine Kipphebelachsbohrung ist einseitig erheblich ausgenackelt, das sollte man dringend beheben. Ursache für den Ventilaufsetzer haben wir aber noch nicht.
Der besagte Simmerring sitzt im äußeren Deckel, das Motorgehäuse muss Du dafür nicht teilen. Schätze aber fast, dass das für die Kurbelwelle noch kommen wird.
Habs erst neulich mal wieder gemacht, nachdem ich jetzt ein paar Jahre keinen mehr zerlegt hab. Es geht wirklich leicht und einfach, wenn man weiß wo man hinlangen muss :-)

@caferacer
Das sind definitiv keine Ölmangelschäden! Weder die Hebel noch die Welle sind ausgeglüht. Die Hebel sind einfach alt, und möglicherweise hat wer die Chromschicht nachbearbeitet (was nicht geht).

Gruß
Hans

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon caferacer » Mo Okt 29, 2018 10:08

Wir warten mal auf die Befundung der Schraubenlänge im Ölfiltergehäuse...
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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » Mo Okt 29, 2018 11:11

Moin Jungs, finde ich ja klasse, dass ihr mir hier so weiterhelft! Also auf Ölmangel tippe ich auch nicht, werde das aber abchecken.

Am meisten irritiert mich ehrlich gesagt, dass dern Junge die Ventilfedern falschrum eingebaut, und offenbar auch olle Kipphebel verbaut hat. Damit traue ich ihm jetzt eigentlich alles andere auch zu und habe das Vertrauen in seine Arbeit verloren. Tja, war ein Versuch um Arbeit und Geld zu sparen. Offenbar gründlich gescheitert.

Deine Eintschätzung mit der Kurbelwelle teile ich, Hans, meinste denn ich kann eine ausreichende Diagnose machen indem ich den Zylinder runternehme und das Pleuel anschaue und Spiel prüfe? Und was meinst Du mit ausgenackelte Kipphebelachsbohrung, abgerieben, und damit für das seitliche Spiel verantwortlich? Wie kann mann das beheben?

Komme erst in der nächsten Woche wieder dazu weiterzumachen, melde mich dann und hoffe auf euren Beistand!

LG Ben

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » Mo Okt 29, 2018 11:23

Ja, die Ursache für den Aufsetzer ist weiter Unklar. Der Stift oben am Zahnrad der Steuerkette war drin, die Schraube auch gut angeknallt, habe ich nur mit nem Schlagschrauber augekriegt. Allerdings guckte der Stift weit genug aus dem Zahnrad heraus, dass ich ihn bei noch montiertem Zahnrad problemlos mit ner Zange von ausser wegziehen konnte. Das hatte mich schon irritiert, ist das normal? Falls der nicht hinten drin sass wäre es natürlich ne gute Erklärung für falsche Steuerzeiten und den Aufsetzer. Muss mir das nochmal anschauen, wie der Stift mit der Schraube genau angeordnet ist...

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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon caferacer » Mo Okt 29, 2018 11:28

Untere Ölfilterdeckelschraube? Lang genug?
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Re: Motorschaden nach frisch gemachtem Motor

Beitragvon benmx » Mo Okt 29, 2018 11:34

Komme leider erst nächste Woche wieder in die Werkstatt, dann schaue ich nach wegen der Öldeckelschraube.


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